Wut ist ein Signal - Sie ist oft der erste Hinweis darauf, dass etwas nicht stimmt und zugleich kann sie eine potentielle Energiequelle sein, etwas zu verändern. Die eigene Wut zu unterdrücken ist eine Form der stillen Selbstverleugnung, denn die eigene Emotion wird nicht durchlebt. Sie wird klein gehalten, darf sich nicht explosiv entladen, sich Raum schaffen und Gehör finden. Natürlich sehe auch ich, dass, wenn Wut ungefiltert ihre Wege findet, sie sehr zerstörerisch sein kann und mehr Schaden anrichten kann, als einem lieb ist. Es ist aber möglich, einen gesunden Zugang und Umgang mit der eigenen Wut zu finden, ohne bleibende Schäden bei sich und der Umwelt anzurichten. Aber wie kann Wut zur eigenen Stärke werden?
Gesunde Wut hilft uns, Grenzen zu setzen. Grenzen zu setzen heißt, Verantwortung zu übernehmen: für die eigene Energie, für den eigenen Raum, für die eigene Wahrheit. Mit ihrer Hilfe können wir lernen, unser Leben bewusster zu gestalten. Starke, intelligente Frauen können auf unterschiedliche Weise an sich selbst zweifeln, die Gründe sind meistens komplex und liegen oft in der eigenen Biografie bzw. Erziehung, aber auch gegenwärtige Stressfaktoren, die zu viel Energie kosten, können sehr wütend machen. Die Wut kann die nötige (Schub-)Kraft bringen, um Veränderungen anzustreben, nach vorne zu gehen, Nein zu sagen, aktiv zu werden. Perspektiven werden sich verändern, wenn der erste Schritt nach vorne gemacht wurde. Nicht zurückgehen, nicht leise sein, nicht "weiblich" gehemmt sein, die Wut nicht als Schwäche oder "Problem" betrachten.
Ja, Wut kann große Schäden anrichten, Gewalt am eigenen Körper und gegenüber anderen Menschen sollte unbedingt vermieden werden! Es geht nicht darum die Wut zu kontrollieren, sondern die Energie der Wut zielgerichtet zu nutzen. Dies ist der erste Perspektivenwechsel. Wut ist nicht per se eine "schlechte" Emotion, die vermieden werden soll, auch wenn die Gesellschaft leider auch heute noch viel zu oft vorgeben will, dass insbesondere Mädchen und Frauen nicht wütend sein sollen und wenn, dann bitte nur leise.
Nur wenn wir die eigenen "Wutschübe" durchlaufen, sie annehmen, den Groll bewusst spüren und anschließend verstehen, welches unerfüllte Bedürfnis (oder mehrere) dahinter steckt, erst dann können wir daran innerlich wachsen. Emotionale Reifung kann nur dadurch funktionieren. Hinter der Wut befindet sich oftmals versteckt die Angst, Verletzlichkeit, Hilflosigkeit/Ohnmacht, Enttäuschung oder Scham. Sich selbst und die eigene Wut verstehen und Verantwortung hierfür zu übernehmen, ist der erste Schritt in Richtung Stärke, Selbstakzeptanz und Selbstliebe.
Wenn Du mit der Kraft Deiner Wut konstruktiv umgehen kannst, spürst Du nicht nur Selbstwirksamkeit, Dein Selbstbewusstsein vertieft sich ebenfalls. Dein "Nein" wird bestimmter, deutlicher und die Fähigkeit der inneren Abgrenzung zu Menschen und Situation, auf die Du keinen Einfluss haben wirst, selbstverständlicher. Gelegentlich Frust und Ärger im Alltag zu erleben, wird situationsbedingt bleiben, aber die große Schwester Wut, diejenige, die die explosive Power hat, sie wird sinnbildlich Deine innere Superheldin und Türsteherin sein. Sie ist Deine persönliche Stärke ganz deutlich auszusprechen, wenn etwas ganz sicher NICHT zu Dir passt.
Wut kann eine positive Kraft sein, schützend, klärend, schöpferisch. Nur wenn Du sie als solche erkennen kannst, kannst Du auch aus automatischen Reaktionen und Verhaltensmustern ausbrechen. Sie darf kein Grund sein in der Vergangenheit zu verharren, dies verhindert inneres Wachstum und emotionale Reifung. Wachse an Deiner Wut, gib ihr Raum und Möglichkeit sich zu entfalten und nehme sie liebevoll als Teil von Dir an und verzeihe Dir auch selbst, wenn es Dir mal nicht so gut gelingt Deine Wut zu akzeptieren, auch das ist ein Zeichen von innerer Stärke und Haltung. Begegne Dir selbst mit Klarheit und Ehrlichkeit, das schafft langfristig Selbstvertrauen.
Auch ich lerne in jeder Situation, die mich wütend macht, Neues über mich selbst und nutze überschüssige Energie unter anderem für den sportlichen Bereich z. B. beim Boxsport. Wenn auch Du dich für das Boxen interessierst, probiere gerne mein Angebot des BoxCoaching - Therapeutisches Boxen bei mir aus!
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